Der Offenstall
- Anja Ziehli
Es gibt viele verschiedene Haltungsformen von Pferden. Geht es um die Unterbringung des eigenen Pferdes, will man das Bestmögliche herausholen. In diesem Bericht stellen wir die Offenstallhaltung mit ihren Vor- und Nachteilen vor.
Was ist ein Offenstall?
Ein Offenstall ist ein überdachter und frei zugänglicher Stallbereich, an den in der Regel ein grosser offener Aussenbereich mit Ausläufen und Weiden angrenzt. Es ist eine gängige und einfache Variante der Gruppenauslaufhaltung. Die Pferde haben viel Bewegung an frischer Luft, Sozialkontakt und die Möglichkeit zu ganztägiger Raufutteraufnahme.
Checkliste für eine gute Offenstallhaltung
Wenn du dein Pferd in einen artgerechten Offenstall stellen möchtest, sollte dieser die folgenden Anforderungen erfüllen:
- Eingliederungsbereich für neue Pferde
- Abgetrennter Bereich für kranke Pferde
- Ruhebereich getrennt von Auslauf
- Uneingeschränkter Zugang zu frischem Wasser
- Genügend Fressstellen, damit auch rangniedrige Pferde fressen können
- Rutschfester und trittsicherer Boden, der nicht schnell matschig wird
- Mindestens 150m2 für zwei Pferde und für jedes weitere Pferd 40m2
- Mindestens 10m2 Liegefläche pro Pferd im Ruhebereich, damit jedes Pferd jederzeit liegen kann
- Keine Engpässe oder Sackgassen
Vor- und Nachteile
5 Vorteile
- Naturnahe Gruppenhaltung mit Sozialkontakten und Herdenbildung
- Reduzierung von Verhaltensstörungen wie Koppen oder Weben
- Geringes Risiko von Koliken und Magengeschwüren
- Geringe Staubbelastung
- Bewegung, Spielen und Wälzen nach Belieben
5 Nachteile
- Krankheiten wie Strahlfäule oder Mauke durch das Stehen auf nassem Boden
- Höhere Verletzungsgefahr
- Konkurrenz an Futterstellen
- Erhöhter Stress für rangniedrigere Pferde
- Der Witterung stark ausgesetzt
Fütterung im Offenstall
Meist ist die Fütterung in einem Offenstall anspruchsvoller als in der Boxenhaltung. Das Raufutter kann allen Pferden vorgesetzt werden, das Kraft- und Spezialfutter hingegen sollten alle Pferde einzeln bekommen.
Auch Tränken sollten in genügender Anzahl und jederzeit frost- und schmutzfrei angeboten werden können.
Allgemein ist das Konzept sehr wichtig. Gibt es ungenügend viele Futter- und Trinkstellen, kommt es unter den Tieren zu Rangeleien und rangniedrigere Pferde erhalten nicht genügend Zugang zu Futter und Wasser. Es ist ausserdem wichtig, dass die Pferde nie lange Fresspausen haben. Eventuell macht es sogar Sinn, die Pferde in schwer- und leichtfuttrige Gruppen aufzuteilen. Eine simple Lösung ist es, anstatt einer grossen zentralen Heuraufe mehrere engmaschige Heunetze und kleinere Futterraufen aufzustellen. So entstehen kleinere Fressgruppen und die Pferde sind automatisch länger mit Fressen beschäftigt.
Winter im Offenstall
Der Winter und die Witterung stellen die Benutzenden von Offenställen vor eine Herausforderung. Das Gras der Weiden fällt weg und durch die niedrigen Temperaturen entsteht ein höherer Energieverbrauch. Es sollte also beachtet werden, dass die Pferde genügend hochwertiges Heu, Vitamine wie Äpfel, Karotten und Randen und eventuell ein warmes Mash zur Verfügung haben.
Im Stall selbst können Gummimatten auf dem Boden helfen, die Kälte einzudämmen. Die Matten sind ebenfalls rutschfest, bequem und je nach Hersteller sogar gelenkschonend.
Friert dein Pferd schnell, sollte es mit einer passenden Winterdecke ausgestattet werden. Sie sollte wasserdicht und reissfest sein, denn in einer Offenstallhaltung kann es passieren, dass die Pferde spielen oder eins daran zieht.
Weitere Konzepte
Aus der ursprünglichen Idee des Offenstalls haben sich viele weitere Varianten der modernen Offenstallhaltung entwickelt. Dazu gehören zum Beispiel der Paddock Trail oder der Aktivstall. Diese spannenden Konzepte werden wir in einem weiteren Teil genauer erklären.