Die Zeit – Zeitlos im Stall
- Chantal Kunz
Die Zeit ist etwas Heimtückisches. Obwohl sie immer gleich schnell läuft, fühlt sie sich für uns manchmal rasend schnell und manchmal schleichend langsam an. Und ab und zu vergessen wir sie auch einfach – besonders im Stall bei unseren Pferden.
Ein besonderes Phänomen ist es, dass man im Stall regelmässig die Zeit vergisst. Bei mir ist das auf jeden Fall so. An keinem anderen Ort kann ich so gut abschalten wie bei den Pferden. Da kann ich noch so viel um die Ohren haben. Im Stall passiert es mir regelmässig, dass einfach so vier Stunden vergangen sind – und angefühlt hat es sich wie ein Wimpernschlag. Da nehme ich mir doch fest vor, dass ich nur zwei Stunden Zeit habe. Rechnerisch geht das ja auch auf: 5 Minuten Fahrt in den Stall, 15 Minuten Pferd vorbereiten, etwas mehr als 1 Stunde reiten, 15 Minuten alles versorgen, 5 Minuten Rückfahrt. Doch in der Praxis scheitere ich regelmässig. Denn sobald ich den Stall betrete, die Pferde schnauben höre und die Stallluft einatme, fahre ich herunter. Dann zählt nur noch das, was ich in dem Moment mache, alles andere ist weit weg in dem Moment. Das ist natürlich eigentlich etwas Gutes. Im Hier und Jetzt zu leben wird ja empfohlen und ich finde persönlich, dass dies sehr gut tut.
Jedoch ist dieser Zustand manchmal schwierig mit der Realität und den Verpflichtungen zu vereinbaren. Es wäre zu schön, wenn wir einfach jeden Tag so lange wir möchten im Stall bleiben können, ohne an etwas anderes zu denken. Jedoch müssen wir auch unserem Beruf nachgehen, denn ohne diesen könnten wir das Hobby Pferd/Reiten gar nicht ausführen. Genauso wichtig sind auch Familie und die Beziehungen. Sie stützen und begleiten uns im Leben. Es ist also wichtig, diese Punkte nicht zu vergessen. Wir sollten eine gute Balance zwischen unserem «Geniessermoment» und der Realität finden.
Dabei kann man darauf achten, dass man dann in den Stall geht, wenn in dieser Zeit sowieso niemand zu Hause ist. Natürlich ist dies nicht immer möglich. Aber teilweise kann man es sich gut so einrichten. Und dann kann man sich beispielsweise an zwei Tagen schön Zeit lassen, lange Ausritte machen, sich einem intensiven Training widmen oder noch diverse Dinge im Stall erledigen. An den anderen Tagen kann man die Zeit im Stall effizienter und kürzer gestalten. Das macht das Ganze auch abwechslungsreich und spannend, für Pferd und Reiter.