Ein Rennen auf Eis reiten
- Michele Forster
Es herrscht wunderbares Wetter am White Turf in St. Moritz, Sonnenschein und blauer Himmel. Jedoch ist es bitterkalt, dies kam aber dem See zugute – er ist gut durchgefroren und die Bahn in hervorragendem Zustand. Die Rennen fanden auf der ausgeschriebenen Distanz statt, nicht wie am ersten Rennsonntag verkürzt. Doch wie genau ist es, ein Rennen auf Eis zu reiten?
Ella Muntwyler, Nachwuchsreiterin mit Amateur-Lizenz, erzählt. war mit Fleur d’Ipanema vom Stall Forz Agricula und trainiert von Pepi Stadelmann im Einsatz. Sie bestritt die Sprin-Distanz von 1600 Meter. Dieses Paar hat letztes Jahr in Dielsdorf brilliert und holte sich einen Sieg.
Ella Muntwyler, was bedeutet es Ihnen, in St. Moritz zu reiten?
Für mich hat St. Moritz einen hohen Stellenwert. Bis zu diesem Jahr war ich jeweils am Meeting als Betreuerin der vor Ort stationierten Pferde dabei. Einige Trainer stationieren ihre Pferde zwecks Akklimatisierung und Einsparung von vielen Transporten direkt drei Wochen vor Ort. Dieses Jahr habe ich erstmals die Chance, auch als Rennreiterin ins Geschehen einzugreifen. Über diese Verpflichtung habe ich mich riesig gefreut und ich bin den Besitzern und Trainern sehr dankbar über diese Chance. Für mich als junge Reiterin ist dies eine grosse Erfahrung und auch Möglichkeit, mich zu zeigen. St. Moritz hat international einen guten Ruf und wird auch beachtet. Jedes Jahr sind ausländische Gäste am Start.
Was ist speziell an St. Moritz?
Natürlich der Untergrund, Schnee auf gefrorenem See. Die Pferde müssen dies mögen. Während der Rennen ist auch oft die Taktik anders als in der Grassaison, da die Rennen oft auch anders gelaufen werden. Die Höhe, der Schnee, die fliegenden Schneebrocken, auf dies alles muss die Taktik angepasst werden.
Wie empfinden Sie die Stimmung auf dem See als Reiterin?
Die Atmosphäre in St. Moritz ist einzigartig. Jedem Rennen, sei es auch niedrig dotiert, wird Beachtung geschenkt. Jeder Sieg wird zelebriert. Die Zuschauer sind mit Herzen dabei und fiebern mit den Pferden und ihren Jockeys mit. Es wird auch sehr viel gewettet. Natürlich sind auch viele ausländische Gäste extra für den White Turf nach St. Moritz gereist, was ich sehr spannend finde.
Wie haben Sie sich auf Ihren Einsatz als Reiterin in St. Moritz vorbereitet?
Ich reitee täglich Rennpferde im Training. Zudem gehe ich regelmässig ins Box-Training und jogge regelmässig. Dies ist der sportliche Teil meiner Vorbereitung. Ich habe auch alle Rennvideos der letzten fünf Jahre angeschaut. Und natürlich auch die Videos von Fleur d’Ipanema. Ebenso habe ich meine Konkurrenz studiert und suche mir jeweils die entsprechenden Videos zur Studie raus.
Wie war die Bahn zum Reiten?
Die Bahn war an beiden Sonntagen gut zu reiten. Trotz der kurzen Distanz von 800m am ersten Rennsonntag. Die heiklen Stellen waren gut abgesperrt. Es war für Ella eine tolle Erfahrung, besonders das ausnahmsweise berittene Skikjöring am ersten Rennsonntag.
Schade ist, dass mir im Rennen der Sattel rutschte und ich mit Fleur d’Ipanema nicht mehr im Endkampf eingreifen konnte. Aber nächsten Sonntag haben wir nochmals eine Chance.