Verschiedene Arten von Zäumungen

Eine gutsitzende Trense und ein richtig verschnalltes Reithalfter ist die Grundlage für eine gute Kommunikation zwischen Pferd und Reiter. Die Auswahl ist dabei gross. Doch jede Art bietet Vor- und Nachteile.

Im Normalfall besteht ein Zaum aus einem Stirnriemen, einem Genickstück, einem Kehlriemen, einem Nasenband und einem Gebiss. An den Ringen des Gebisses werden die Zügel befestigt. Zusätzlich kann ein Sperrriemen an der Trense befestigt werden. Er dient zur Eindämmung heftiger Kaubewegungen oder heftiges Aufsperren des Pferdemauls, sowie auch zum kontrollierten Schliessen des Mauls. Das bedeutet so viel, wie mit einem möglichst feinen Hilfsmittel, in dem Fall der Sperriemen, das Maul des Pferdes etwas zu schliessen. Der Stirnriemen hilft, dass der Zaum nicht zu weit nach hinten in Richtung Hals rutschen kann. Er darf etwas locker sitzen, um nicht das Genickstück über die Ohren des Pferdes zu ziehen und die Nervenbahnen nicht zu beeinträchtigen. Er darf aber auch nicht zu locker sein, da er den Zaum an Ort und Stelle halten soll.

Das Fundament

Das Fundament eines Zaumes ist das Genickstück. An diesem sind die Backenstücke, an welchen das Gebiss hängt, befestigt. Damit die Pferde den Zaum nicht abstreifen können, ist der Kehlriemen vorhanden. Er wird so verschnallt, dass eine aufgestellte Faust zwischen Riemen und Kehle des Pferdes passt. Das Nasenband sollte ca. zwei Finger breit unter dem Jochbein und eher eng sitzen, um keine Hautirritationen durch ein Verrutschen zu verursachen. Dennoch sollten zwei Finger zwischen Pferdenase und Nasenband passen. Das Nasenband ist an einen Riemen gehängt, welcher links und rechts zum Genickstück führt und dort befestigt ist. Ausserdem ist es dafür zuständig, das Zaumzeug von Anfang an richtig zu positionieren.

Welche Zäumungen gibt es?

Englischer Zaum

Es ist die gängigste und meistgenutzte Zäumung. Sie besteht aus einem einfachen Nasenband mit Backen- und Genickstück. Am Kinn ist sie weich gepolstert und einfach zu schliessen. Mit dem englischen Reithalfter kann ich über Nasenrücken, Kinngrube und Kiefer einwirken und kann durch diese Einwirkung helfen, wenn ein Pferd unruhig im Maul ist.

Englisch-kombinierter Zaum

Der englisch-kombinierte Zaum unterscheidet sich kaum vom englischen Zaum. Es kommt lediglich ein Sperrriemen hinzu. Dieser muss so locker sitzen, dass zwei Finger zwischen Riemen und Nase passen und der Sperriemen den Nasenriemen nicht herunterziehen kann.

Schwedischer Zaum

Auch das schwedische Reithalfter gleicht sehr dem englischen, doch es unterscheidet sich in der Art der Verschnallung. Der Nasenriemen wird in diesem Fall mit Umlenkschnallen verschlossen. Sie funktionieren ähnlich wie ein Flaschenzug, was dazu führt, dass es leider manchmal missbraucht und zu stark zugeschnürt wird.
Ursprünglich war die schwedische Trense dafür gedacht, um das Schliessen des Nasenriemens zu erleichtern und eingeklemmte Hautfalten zu verhindern. Sehr häufig sind die schwedischen Nasenriemen auch breiter und mehr gepolstert, was ebenfalls angenehmer für das Pferd ist. Die Wirkung ist nahezu identisch, wie die des englischen Zaums oder die des kombinierten-englischen Zaums (wenn ein Sperrriemen dabei ist).

Hannoveranischer Zaum

Bei der Hannoveranischen Trense reicht das Nasenband fast bis zu den Nüstern und wird im Gegensatz zu den anderen Trensen vor dem Gebiss verschnallt. Wichtig ist aber, dass der Nasenriemen immer auf dem knöchernen Nasenbein liegt. Falls der Nasenriemen auf dem Knorpel liegt, kann bei zu viel Zug das Nasenbein brechen. Liegt das Nasenband zirka 4 Finger über dem oberen Nüsterenrand, sollte das Brechen vermieden werden können. Die Trense eignet sich besonders für Pferde, die im Maul empfindlich sind und eine lange Maulspalte haben. Es wurde dafür entwickelt, die seitlichen Ausweichbewegungen des Pferdemauls zu verhindern. Dieses Reithalfter ist tendenziell schärfer und erleichtert die Weitergabe der Zügelhilfen. Daher ist es noch wichter, dass der Zaum korrekt verschnallt ist, damit kein falscher Druck oder Zug entsteht. Besonders für Pferde mit einer kurzen Maulspalte ist der Zaum ungeeignet, da der Nasenriemen nicht mehr auf dem Knöchernen zum Liegen kommen kann.

Mexikanischer Zaum

Ist der mexikanische Zaum richtig verschnallt, hat das Pferd im Vergleich zu anderen Reithalftern sehr viel Bewegungsfreiheit, was zum Beispiel das Kauen fördert. Ist der Zaum zu tief verschnallt, kann jedoch die Atmung des Pferdes beeinträchtigt werden. Der mexikanische Zaum hat zwei lange Riemen, die sich über der Nase kreuzen und unter der Kinngrube verschlossen werden. Diese laufen durch eine Rosette, die häufig gepolstert ist. Sie muss mittig sitzen und darf nicht verrutschen. Wegen der grossen Atmungsfreiheit wird der Zaum in der Vielseitigkeit oft gesehen.

Zäumung mit Kandare

Die Kandare erzeugt durch ein Gebiss, welches in der Mitte nicht gebrochen ist, eine grosse Hebelwirkung. Dazu kommt eine Kinnkette, die in der Kinngrube des Pferdes verläuft und in den Hacken der Kandare verschnallt wird. Auch sie unterstützt zusätzlich die Hebelwirkung. In der Dressur wird die Kandare immer mit einer feinen Unterlagtrense kombiniert, die jeweils über der Kandare eingeführt wird. Ausserdem hat sie an der Seite eine Verstärkung, auch Querstangen oder Bäume genannt, und wirkt so deutlich schärfer im Maul des Pferdes als beispielsweise eine gebrochene Wassertrense. Kleinste Bewegungen der Hand spürt das Pferd im Maul. Aus diesem Grund sollte man sie auf keinen Fall als Anfänger benutzen. Erfahrene Reiter nutzen sie zur Verfeinerung der Hilfen. Bei einer Kandare wird immer auf ein Sperriemen verzichtet.
Der Zaum an sich, ist dem schwedischen sehr ähnlich. Allerdings benötigt es zwei Backenstücke, um beide Trensen befestigen zu können.

Micklem

Das Micklem ist eigentlich keine eigene Zaumart, wird aber immer häufiger benutzt, deshalb wird es auch hier vorgestellt. Alle Riemen sind hier miteinander verbunden und es gibt keinen Riemen, welchen man entfernen könnte. Der Nasenriemen liegt höher als der des hannoveranischen Zaums, wird aber wie dieser unter der Kinngrube zugemacht. Sobald der Zügel angenommen wird, entsteht ein Druck auf dem Nasenrücken und die gesamte Einwirkung auf Kiefer, Nase und Genick wird erhöht. Ist das Micklem falsch verschnallt, können Nervenbahnen abgedrückt werden. Viele Pferde reagieren positiv auf diese Art Trense. Trotzdem muss sie individuell auf jedes Pferd angepasst werden.

Bilder: Bridlery

Nächste Woche folgt ein Beitrag zu gebisslosen Zäumungen!

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